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Fachbeitrag

Anmerkungen zu einem Massenartikel - dem Einkochglas
Ralf Tiemann, Siegfried Müller, Klaus Hartmann

Erntefrische Himbeeren oder Erdbeeren zu Weihnachten sind in deutschen Supermärkten dank weltweiter Handelsbeziehungen zu einer Normalität geworden. Vorratswirtschaft zu betreiben ist keine Notwendigkeit mehr und so ist die Konservierung selbstgezogenen Obstes und Gemüses eher zu einem Hobby mutiert. Ein in den letzten 100 Jahren millionenfach hergestelltes Verpackungsglas - das Haushaltseinkochglas - verschwindet immer mehr und wird eventuell noch durch die Twist-Off-Variante ersetzt. Die in den Haushalten nicht mehr benötigten Einmachgläser werden bestenfalls noch zweckentfremdet genutzt oder als wertloser Gegenstand entsorgt. Damit gerät auch eine langjährige Alltagskultur in Vergessenheit.

Nachdem der Franzose Nicolas Appert Ende des 18. Jahrhunderts Versuche zur Konservierung von Lebensmitteln anstellte, belieferte er ab 1802 die französische Marine mit Konserven, welche in Weithalsflaschen abgefüllt wurden. Es dauerte noch fast 50 Jahre, bis in Großbritannien (1848 für die Londoner Töpferei Doulton & Watts) und in den USA (1858 für den New Yorker Blechschmied John Landon Mason) Patente für Konservengefäße erteilt wurden. In Deutschland gab es ab etwa 1870 verschiedene Vorläufer hierzu, die sich aber bei der Bevölkerung zunächst nicht durchsetzen konn-ten. Erst im Jahr 1900 gelang es den beiden Kaufleuten Johann Carl Weck und Georg van Eyck durch ebenso geschickte wie massive Werbung, das "Weckglas" erfolgreich zu präsentieren. Grundlage hierzu war die Nutzung eines 1892 erteilten Patentes für den Gelsenkirchener Chemiker Rudolf Rempel für einen "Apparat zum selbstthätigen Schließen und Entlüften von Sterilisir-geräten". Der Erfolg der Firma Weck fand schnell Nachahmer. Um sich von der Konkurrenz mit der eigenen Marke abzuheben waren die Deckel dieser Gefäße idealer Werbeplatz mit der Präsentation eingeprägter Warenzeichen und Handelsmarken. Eben diese Deckel sind zu einem Sammelobjekt geworden.

Im Jahr 2000 wurde wohl erstmals von Museumsfreunden in Essen-Kettwig eine Ausstellung zum Thema Glas aus der Region gestaltet, in der Einmachgläser einen größeren Raum einnahmen. Der Erfolg dieser Ausstellung spiegelt sich in einer Wiederholung im Jahr 2006, bei dem zusätzlich ein von Dr. Hans Gerd Engelhardt erarbeitetes Glas-Lexikon mit dem Titel "Obst und Glas" angeboten wurde. Weitere Ausstellungen wurden unter anderem in Boffzen/Weser oder bei Bad Muskau von örtlichen Vereinen organisiert, um die die dort ansässige Glasindustrie mit Produkten wie dem Einkochglas zu präsentieren.

Dr. Frank W. Rudolph hat sich in einem längeren, sehr informativen Artikel mit der Geschichte des Einkochglases sowie mit den Glashütten und Händlern beschäftigt, welche diese herstellten oder vertrieben. Der Beitrag einschließlich einer großen Anzahl von Fotos ist im Internet veröffentlicht https://www.f-rudolph.info/einmachglas/index.php.

2018 erschien im prometheus verlag Wuppertal ein Katalog unter dem Titel "Glasdeckel und Gläser der Konservenglasindustrie", in dem ein Großteil der Sammlung von Siegfried Müller abgebildet war. 2023 wurde aus dieser Sammlung heraus in einer Gemeinschaftsarbeit eine Bestandsaufnahme aus drei größeren Sammlungen mit dem Titel "Konservengläser und -krüge in Europa und deren Marken" erarbeitet. Auf insgesamt 349 Seiten sind neben einem Einführungstext ca. 800 Handelsmarken mit etwa 1200 Varianten von Deckeln und einigen Einkochkruken aus Steinzeug aus dem europäischen Raum einschließlich Großbritannnien aufgeführt. Zu einem Großteil konnten die ehemaligen Emittenten noch ermittelt werden.

Anders als in den USA, wo es eine große Sammlergemeinschaft gibt und ein speziell darauf zuge-schnittener Katalog bereits in dreizehnter Auflage erschien, wurde die letztere Arbeit als Privatdruck in nur 25 Exemplaren gedruckt. Grund dafür war unter anderem die Reaktion einiger zur Akquise angeschriebener Museen.

Konservengläser und -krüge in Europa Teil 1
(78.509 KB, 108 Seiten)

Gastbeitrag

Johann Kunckel - Glasmacher und Alchemist
Dipl.Ing. Lothar Franze

In dieser Tätigkeit am Hofe des Brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm konzipierte Kunckel die Rezepturen für das schwere klare Kristallglas und insbesondere "erfand" das alles überragende Goldrubinglas. Auf der Pfaueninsel verfiel er in den Jahren 1686 / 87 geradezu in einen gläsernen Farbrausch. 1688 verstarb sein Gönner der Große Kurfürst. Brandstiftung zerstörte die Hütte auf der Pfaueninsel vollständig und die Hakendammhütte erheblich. Kunckel wurde entlassen und angeklagt tausende Taler veruntreut zu haben. In diesen Wirren gerieten auch die Farbexperimente in Vergessenheit. Nur wenige Beispiele, insbesondere farbige Flaschen, können heute Zeugnis aus dieser Schaffensperiode belegen und für Potsdam in Anspruch genommen werden. Bestimmend für die Herstellung in der Potsdamer Hütte wurden einmalige Kristallgläser und natürlich das Goldrubinglas.

Lothar Franze, Farbige Flaschen aus der Potsdamer Hütte
(30.527 KB, 9 Seiten)


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